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    Dettinger Flüchtlinge sagen danke

    Dettingen, 07.11.2016 (Kurt Högerle, ©Südwestpresse)

    „Wie in einem Schaufenster betrachten wir das Leben der Geflüchteten, als ob eine Barriere eingezogen worden wäre“, sagte Angelika Zanzinger von der Diakonie Biberach, die unter anderem auch den Dettinger Helferkreis für Flüchtlinge berät und unterstützt. Der Freundeskreis will Barrieren abbauen und brachte Bevölkerung und Asylbewerber am Freitag in der Festhalle zusammen. „Schaufenster 2.0“ hieß die Veranstaltung, auf der Kinder, Jugendliche, Mütter und Väter aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern mit den Dettingern ins Gespräch kommen wollten. Denn dass sich hinter den Asylbewerbern oft Geschichten von Flucht und Vertreibung verbergen, geht nach Ansicht des Freundeskreises verloren.

    Karl Pflüger und Christiane Rossa vom Helferkreis berichteten von der Arbeit mit Flüchtlingen, von den Behördengängen, den Arztbesuchen, vielen gemeinsam verbrachten Stunden und der großen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Wir möchten uns bei Ihnen bedanken. Wir möchten Deutschland danken“, sagte darauf Nadim Darwish, Vater von drei Kindern aus Syrien, gleich am Beginn des Abends und sichtlich ergriffen, bevor er vom Leben im belagerten Aleppo und der dramatischen Flucht nach Deutschland berichtete.

    Es ging aber nicht nur um Dankesagen und Distanzabbau; Ziel war auch, Geld für Deutschkurse zu sammeln. „Die Sprache ist der Schlüssel zur Integrtion“, sagte Angelika Zanzinger, „doch leider darf bei weitem nicht jeder Flüchtling einen Kurs besuchen.“ Für Afghanen gelte etwa, dass sie aufgrund einer mangelnden Bleibeperspektive keine Chance bekämen. „Das Geld soll es dem Freundeskreis ermöglichen, Deutschlehrer zu bezahlen.“

    Ein eigens geschriebenes Theaterstück sollte die Dramatik der Flucht nachstellen. Zuerst den Krieg und seine Schrecken auf syrisch, die Flucht übers Meer – ohne Worte – und zuletzt die Schwierigkeiten des Ankommens in einer fremden Welt; die Schwierigkeiten, die beide Seiten haben: Ein syrisch-schwäbisches Theaterprojekt, das einzig in seiner Art sein dürfte.

    Unterschrift Foto: Mit einem Theaterstück haben sich Flüchtlinge bei der Bevölkerung bedankt. Bild: Kurt Högerle, ©Südwestpresse