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    Wolfgang Huchler aus Niedernzell beschäftigt einen 25-jährigen Asylbewerber

    Gutenzell-Hürbel, 29.09.2016 (Daniel Häfele, ©Schwäbische Zeitung)

    Gutenzell sz
    Wenn es um die Integration von Flüchtlingen geht, gilt neben der Sprache auch die Arbeit als Schlüssel für eine gelungene Integration. Was es konkret bedeutet, wenn Asylbewerber in den Arbeitsmarkt integriert werden, zeigt ein Beispiel aus Niedernzell.

    Wolfgang Huchler hat Tsegay Abraham aus Eritrea als 450-Euro-Kraft eingestellt. Der 25-Jährige hilft in der Firma Hochbeete Huchler unter anderem beim Bohren, Sägen und Verschrauben von Brettern.

    Seit Februar lebt Tsegay Abraham mit seiner Frau und seiner acht Monate alten Tochter in Gutenzell. Mit einer kleinen Tasche kam er aus Eritrea über Libyen und Italien nach Deutschland. Eine Anerkennung seitens des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge hat er zwar noch nicht, aber zumindest eine Arbeitserlaubnis bis zum Ende dieses Jahres.

    Das hat er neben den Mitgliedern des Helferkreises auch Wolfgang Huchler zu verdanken. Die beiden Männer lernten sich in Gutenzell beim Kranzen des Maibaums kennen. „Er war sehr aufgeschlossen und wollte wissen, was wir machen“, sagt der Inhaber von Hochbeete Huchler. So kamen sie im Frühjahr ins Gespräch, wobei Huchler erfuhr, dass der 25-Jährige in Eritrea als Hilfskraft bei Schreinern und Malern gearbeitet hatte: „Da bin ich hellhörig geworden.“

    Huchler suchte nämlich seit Längerem nach einer 450-Euro-Kraft, die ihn in seinem Betrieb unterstützt. Im Juni und Juli dann machte Abraham ein sechswöchiges Praktikum. „Er war sehr zuverlässig und aufmerksam“, sagt Huchler. Beide waren sich schnell einig, dass das Praktikum in eine Teilzeitbeschäftigung münden sollte.

    Doch zunächst musste sich Huchler durch den Behördendschungel kämpfen. Abraham brauchte eine Arbeitserlaubnis. „Dank der Hilfe des Helferkreises und des Landratsamts haben wir alles hinbekommen“, sagt Huchler. Seit 1. August arbeitet Abraham nun 28 Stunden pro Monat in dem Familienbetrieb. 8,50 Euro verdient er pro Stunde, ein zusätzliches Taschengeld ist das für ihn aber nicht. „Sein Lohn wird mit den staatlichen Leistungen verrechnet“, sagt Huchler.

    Abraham freut sich darüber, dass er zum Teil eigenes Geld verdient. „Es gefällt mir gut in Gutenzell und die Arbeit mach Spaß“, sagt er. Damit es im Fall eines Arbeitsunfalls keine Probleme mit der Berufsgenossenschaft gibt, organisierte Huchler einen Dolmetscher für die zweistündige Sicherheitsunterweisung: „Dann sind wir auf der sicheren Seite.“ Ansonsten spricht Huchler mit Abraham Deutsch, was immer besser funktioniert. Den Unterschied zwischen Handkreissäge und Tischkreissäge kenne er bereits, sagt Huchler.

    Des Weiteren besucht Abraham ab Oktober einen Integrationskurs, der ihn fitter im Umgang mit der deutschen Sprache machen soll. „Seine Arbeitszeiten werden wir so organisieren, dass er die Termine einhalten kann. Schule geht vor“, sagt Huchler. Trotz des Aufwands – sei es in Bürokratie oder Betreuung – bereut Huchler seine Entscheidung, einen Flüchtling einzustellen, nicht: „Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht.“

    Die Beschäftigung der Flüchtlinge bedarf einer Genehmigung der Ausländerbehörde, wofür Arbeitgeber einen Antrag stellen müssen. Bei der Antragsstellung ist das Team Arbeitsintegration von Flüchtlingen (AIF) behilflich.

    „Aufgrund der guten Arbeitsmarktlage im Landkreis Biberach wird von der Bundesagentur für Arbeit nicht mehr geprüft, ob bevorrechtigte Arbeitnehmer zur Verfügung stehen“, sagt Harald Lämmle, Leiter des Jobcenters Biberach. Die Arbeitsbedingungen müssten aber den rechtlichen und tariflichen Vorgaben entsprechen und im Pass dürfe kein Arbeitsverbot eingetragen sein. Das Verfahren ist für geringfügige Beschäftigungen und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung identisch.

    Die Integration von Flüchtlingen ist allerdings nicht auf 450-Euro-Jobs begrenzt. „Wir unterstützen Flüchtlinge dabei, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder eine Ausbildung aufzunehmen“, sagt Lämmle. Dabei könne die Eignung für eine Stellen durch Praktika oder zur Arbeitsaufnahme in Abstimmung mit dem AIF für Arbeitgeber unentgeltlich vor Vertragsabschluss geprüft werden. Zudem kann der AIF Maßnahmen zur Berufsvorbereitung und zur Weiterbildung fördern.

    „Die berufliche Integration von Flüchtlingen läuft im Landkreis Biberach im Vergleich zu anderen Land- und Stadtkreisen sehr gut“, sagt Lämmle. Dies sei insbesondere auf die Offenheit und Bereitschaft der Betriebe im Landkreis zurückzuführen. „Aber auch die Ehrenamtlichen, die Gemeinden und die Mitarbeiter des AIF sind bei der beruflichen Integration aktiv beteiligt“, sagt Lämmle. Ihm und seinen Mitarbeitern sei es gelungen, die Haupt- und Ehrenamtlichen zu vernetzen und so Doppelstrukturen zu vermeiden.

    Weitere Informationen für Arbeitgeber gibt es bei der AIF unter Telefon 07351/526363 oder per E-Mail an aif(at)biberach.de.

    Unterschrift Foto: Tsegay Abraham aus Eritrea hat bei Wolfgang Huchler in der Werkstatt Arbeit gefunden. Nach einem Praktikum arbeitet der 25-Jährige als 450-Euro-Kraft in dem Familienbetrieb. Bild: Daniel Häfele, ©Schwäbische Zeitung