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    Der syrische Regisseur Houzayfa Al Rahmoun aus Biberach präsentiert seinen Debüt-Kurzfilm erstmals im Kino

    Biberach, 06.11.2017 (Tanja Bosch, ©Schwäbische Zeitung)

    Biberach sz
    Für Houzayfa Al Rahmoun aus Biberach ist es ein besonderer Abend gewesen. Sein Kurzfilm „Burgenland 71“ hat es ins Programm des Filmfests geschafft. Die Aufregung war groß, als der 15-minütige Film auf der großen Leinwand vor ausverkauftem Publikum erstmals im Kino gezeigt wurde. „Das ist schon etwas sehr Besonderes“, sagt der junge Regisseur, der ursprünglich aus Syrien kommt.

    In seinem Film setzt er sich mit der Flucht auseinander und zeichnet das Szenario einer wahren Geschichte nach: Im Sommer 2015 sind 71 Flüchtlinge tot in einem Lastwagen in Österreich, genauer im Burgenland, gefunden worden. Sie waren zusammengepfercht im Kühllaster eines Schleppers unterwegs. Am Ende sind alle tot. Für Al Rahmoun hat sein Film eine klare Aussage: „Wir vergessen die Menschen nicht.“ Die Botschaft sei vor allem Frieden und Menschlichkeit.

    Die Bilder im Film sind dunkel und düster, sie lassen die Zuschauer die Kälte, Angst und Trostlosigkeit spüren, die die Menschen auf ihrer Flucht erleben. Es geht in der Dunkelheit durch den Wald, die Flüchtlinge sind zu Fuß, teilweise in Decken gehüllt unterwegs. Kinder, Frauen und Männer sind auf dem Weg in eine neue Welt. Eine Welt voller Hoffnung und Sicherheit. Am Ende schaffen sie es nicht. Der qualvolle Tod durch Ersticken wartet auf sie.

    Regisseur kommt aus Syrien und lebt jetzt in Biberach

    Der Kurzfilm ist eine Biberacher Produktion. Regisseur Houzayfa Al Rahmoun kommt aus Syrien und lebt seit knapp drei Jahren in Biberach. Bekannt ist er vor allem aus dem Theater. Gefilmt und produziert wurde der Kurzfilm von Branchen TV, Gregor Adarczyn und Rogério Brienza sind ebenfalls aus Biberach. Genauso wie die rund 30 Schauspieler, die beim Projekt mitgewirkt haben.

    Vom Publikum gibt es viel Respekt für diese Arbeit und auch für den Mut, diese teilweise grausamen Bilder zu zeigen. „Mich hat das sehr berührt, vor allem die dunklen Bilder im Wald“, sagt eine Zuschauerin. Aber es gibt auch Kritik: „In diesem Film ist alles unscharf, die Bilder und die Botschaft“, sagt ein Zuschauer. Darauf hat Kamermann Gregor Adarczyn die passende Antwort: „Wir haben lange überlegt, wie wir diesen Film drehen sollen. Wir haben uns entschieden, wenig Farbe, wenig Sättigung und dafür viel Dunkelheit zu zeigen“, sagt er. „Damit kann man das Unmenschliche und dieses schreckliche Erlebnis am besten zum Ausdruck bringen.“

    Zuschauer findet Bilder als ergreifend

    Und was die Botschaft anbelangt, da hat Alexandra Frenkel, zuständig für Schnitt und Übersetzung, eine ganz eigene Meinung: „Ich habe so viele Menschen kennengelernt, die geflohen sind. Ich kenne ihre Geschichten und doch habe ich keine Ahnung, was sie wirklich mitmachen mussten“, sagt sie. „Ich tappe immer noch im Dunkeln und das zeigt der Film, wie undurchsichtig und dunkel die Machenschaften de Schlepper sind.“

    Ein weiterer Zuschauer findet die Bilder ebenfalls ergreifend: „Es erinnert uns auch an unsere eigene Vergangenheit und den Holocaust“, sagt er. „Der Film ist ein Spiegel für uns und zeigt, dass wir Verantwortung für alle Menschen haben und das wir das auf keinen Fall vergessen dürfen.“

    Unterschrift Foto: Der Kurzfilm „Burgenland 71“ setzt sich mit der Flucht auseinander und zeichnet das Szenario einer wahren Geschichte nach. Bild: Georg Kliebhan, ©Schwäbische Zeitung