th_root_unlingen.png

    Am 6. Juni 2016 hat mit Sonnenaufgang der Fastenmonat Ramadan begonnen

    Unlingen, 10.06.2016 (Karl Müller, ©Arbeitskreis Unlingen-hilft)

    Viele Campbewohner wollen sich an die strikten Regeln halten: Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf nichts getrunken und nichts gegessen werden.

    Am 9. Juni wurden vom Landratsamt ein Teil des Außenbereichs vom Containercamp hergerichtet und gestaltet. Am 15. Juni ist von der Verwaltung der Gemeinschaftsunterkunft eine Zimmerkontrolle angeordnet. Am 25. Juni 2016 organisiert der Frauenbund im Feuerwehrhaus ein Begegnungscafé. Eingeladen sind die gesamte Einwohnerschaft und die Campbewohner. Familie Alassi wurde vom Landratsamt nach Kirchdorf umquartiert. Dort wurde der sechsköpfigen Familie eine schö- ne Wohnung zur Verfügung gestellt. Viele Campbewohner haben inzwischen grüne Ausweise mit einer Bleibeberechtigung von 6 Monaten. Damit können sie im gesamten Bundesgebiet reisen, allerdings müssen sie sich vor einer Reise bei der Sozialarbeiterin oder beim Sozialamt abmelden. Mit dem Ausweis können sie auch eine EC-Karte für ihr Bankkonto beantragen. Nur zwei Familien haben bisher eine Bleibeberechtigung für 3 Jahre erhalten. Sie können und müssen bald das Camp verlassen. Seit ein paar Tagen funktioniert die TV-Satelitenanlage des Camps. In einigen Zimmern läuft jetzt stundenlang der Fernseher, leider mit arabischen Sendern. Am letzten Wochenende wurden circa 25 Liter Milch zu Käse verarbeitet. Käse in Deutschland ist sehr teuer. In den ersten drei Monaten hat sich im Camp recht viel ereignet. In der Begegnung und Arbeit mit den Flüchtlingen ergaben sich von Woche zu Woche neue Aufgaben und Überraschungen, meist angenehmer Art. Im Campleben hat sich nach und nach eine Art Routine entwickelt. Sich mit dem alltäglich Notwendigen versorgen, den morgendlichen Sprachkurs in Riedlingen oder Unlingen besuchen, wenn gerade keine Ferien sind, die freie Zeit des langen Tages zu verbringen, angeordnete Amtsgeschäfte in Biberach erledigen, notwendige Arzttermine wahrnehmen… Was anfangs noch arg schwierig und nur mit viel Hilfestellung vom Arbeitskreis Unlingen-hilft möglich erschien, wird jetzt auch hin und wieder von den Flüchtlingen in Eigenregie erledigt. Gemeinsam haben wir es geschafft, dass das Campleben weitgehend friedlich und gut geordnet abläuft. Kräftig dazu beigetragen haben die vielen Arbeitseinsätze der ehrenamtlichen Helfer, durch die auch eine Basis des gegenseitigen Vertrauens geschaffen wurde. Helfertreffen Beim ersten großen Helfertreffen, das am 17.5. 2016 im Alten Rathaus stattfand, hat Eberhard Schneider in einer kurzen Rückschau die vielen großen und kleinen Aktivitäten des Arbeitskreises aufgezeigt. An diesem Treffen waren auch die Sozialarbeiterin Caroline Schmid, Helene Kopf vom Migrationsdienst der Caritas und Simone Bleichner von der Leitung der Gemeinschaftsunterkünfte des Landratsamt anwesend, die sich dabei über unsere vielfältige Arbeit informieren konnten: Dank des großen Helferkreises ist es uns möglich, ein kontinuierliches und verlässliches Angebot für die Flüchtlinge zu machen. Die Liste der Arbeiten, die die ehrenamtlichen Helfer aus Unlingen leisten, ist anerkennenswert. Der Helferkreis erfüllt eine wichtige soziale Aufgabe, die sehr positiv bewertet wird und Respekt verdient. Ein solches Lob brachte Frau Kopf für die anwesenden professionellen Betreuer in ihrer Ansprache zum Ausdruck. Zur beinahe alltäglichen Arbeit des Helferkreises gehört die Organisation und Durchführung der betreuenden Fahrten und Begleitungen zum Arzt und zu den Behörden. Besonders hervorzuheben ist, die seit vielen Wochen regelmäßige Sprachförderung für die Frauen. Vier Mal pro Woche treffen sich Frauen des Camps und die ehrenamtlichen Sprachlehrerinnen zur Sprachförderung. Für diejenigen Männer, die neben dem morgendlichen Sprachkurs in der Trägerschaft der Volkshochschule noch zusätzlich lernen wollen, wird zwei Mal pro Woche ergänzender Unterricht angeboten. Diese Spracharbeit mit den Erwachsenen wird durch Lern- und Bastelspiele für die Kinder und durch zusätzliche Übungen zum Lesen- und Schreibenlernen für die schulpflichtigen Kinder ergänzt. Die Erfolge zeigen sich deutlich bei den Kindern, die unbefangen, ohne sich groß um Regeln der deutschen Sprache zu kümmern, drauf los plappern, auswendig lernen, auch ohne die genaue Bedeutung zu kennen. Sie lernen natürlich, einfach und schnell. Zur Förderung der Kinder gehören auch Freizeitaktivitäten, wie Spielnachmittage, Spaziergänge zu den Kinderspielplätzen, Ausflüge. Inzwischen kommen auch Unlinger am Camp vorbei, um mit den Flüchtlingskindern zu spielen oder zu malen. Auch für die Erwachsenen gibt es Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Begegnung. Vereine und Privatinitiativen laden zum Mitmachen ein: Fußball, Volleyball, Tischtennis am Freitagnachmittag, Musizieren mit den Schalmeien, Schachspielen, Nähen und Handarbeiten mit den syrischen Frauen. Ganz wichtig für die gelungene Flüchtlingsarbeit ist die Fahrradwerkstatt und die Kleiderkammer. Es wurden inzwischen so viele Fahrräder gespendet, dass für die einzelnen Zimmer mindestens zwei Fahrräder zum Kauf angeboten werden konnten. Wegen der oft ungestümen Handhabung sind nicht mehr alle Räder im Einsatz, der Reparaturdienst kann sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Ebenso verhält es sich mit den Kleiderspenden und den Gerätschaften des Haushaltes, die zur Verfügung gestellt werden. Jeden zweiten Mittwoch können die Campbewohner schauen, was vorhanden ist und ausleihen, was sie nötig haben. Unser Arbeitskreis ist eingebunden in die ökumenische Flüchtlingsarbeit der Diakonie und Caritas des Landkreises Biberach. Über die Webseiten von asyl-bc.de ist auch die Unlinger Gruppe im Internet präsent. Ein Fülle von Informationen rund um die Flüchtlingsfragen sind über diesen Internetauftritt abrufbar. Frau Helene Kopf von der Caritas ist die neue Ansprechpartnerin für den Arbeitskreis Unlingen-hilft. Sie wird den Helferkreis zukünftig auf wichtige überörtliche Veranstaltungen hinweisen und zu Fortbildungsveranstaltungen einladen. Diese Informationen werden an die ehrenamtlichen Helfern über Email weitergegeben. Anregungen für die künftige Arbeit Im Januar und Februar haben wir unbedarft begonnen Pläne für unsere Flüchtlingsarbeit zu machen. Im März und April haben wir unbefangen begonnen zu arbeiten. Im Mai stellten wir uns beim ersten Helfertreffen die Fragen: was ist an der Routine, mit der wir inzwischen arbeiten, gut und bewährt? Könnten wir manches auch anders machen? Aus dem Helferkreis kamen Anregungen für die künftige Arbeit: Um die Flüchtlinge bei der Reparatur der Fahrräder einbinden zu können, soll an regelmäßigen Terminen beim Camp die Fahrzeugreparatur durchgeführt werden. Eine Art Werkstatt-Container wäre eine feine Sache. Manche Kinder haben gemessen an ihrem Alter einen Entwicklungsrückstand. Eine individuelle Förderung wäre sinnvoll. Die Schulkinder konnten bisher nur an drei Wochentagen eine Vorbereitungsklasse in Uttenweiler besuchen. Sie benötigen dringend Anleitungen zum Lesen und Schreiben lernen. Eher früher denn später werden einige Sprachkursteilnehmer die Anforderungen des Unterrichts nicht mehr bewältigen können. Wenn diese es wünschen, könnte in Kleingruppen Nachhilfe angeboten werden. Patenschaften: Ganz wichtig wäre es, Gelegenheiten zu schaffen, um die Flüchtlinge aus der Isolation des Camps herauszuholen. Ein möglicher Weg dazu wären Patenschaften, bei denen Einzelpersonen oder Familien freundschaftliche Beziehungen zueinander aufbauen, sich zuständig fühlen. Wer nicht nur in Deutschland leben, sondern auch dazugehören möchte, muss sich anstrengen. Allein auf sich gestellt, ist das allerdings sehr langwierig. Mit einer unterstützenden Partnerschaft gelingt Integration eher. Wir begleiten Sie gerne: Kommen Sie bitte ins Camp und gestalten Sie zusammen mit dem Helferkreis den Campalltag ein wenig abwechslungsreicher und damit erträglicher. Holen Sie zusammen mit uns die Flüchtlinge aus dem isolierenden Camp heraus. Davon können alle profitieren, die Paten, die Helfer, die Flüchtlinge, im weiteren Sinne auch die Gemeinde Unlingen.

    Spendenaufruf 

    Das zum Überleben Notwendige haben die Campbewohner durch die Maßnahmen des Landratsamtes. Der Arbeitskreis Unlingen-hilft konnte aber durch die vielen Spenden, die uns zur Verfügung gestellt wurden, den Flüchtlingen das Leben im Camp bedeutend erleichtern. Das wollen wir auch weiterhin. Das Team, das das Spendenlager und die Kleiderkammer organisiert, sucht gezielt nach Sachspenden, die zur Zeit dringend benötigt werden: Kinderkleidung Kleinkinderkleidung Für junge Männer kurze Hosen, T-Shirts in den Größen S und M Große Töpfe, Geschirr, Trinkgläser Sommerschuhe für junge Frauen in den Größen 36 - 39 Babybadewanne, Babydecke, Babyteppich Der Arbeitskreis Unlingen-hilft bedankt sich bei allen Geld und Sachspendern recht herzlich.

    Unterschrift Foto: Bild: