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    Arbeitskreis Integration befasst sich mit dem Thema – „Alle müssen an einem Strang ziehen“

    Biberach, 29.03.2017 (Tanja Bosch, ©Schwäbische Zeitung)

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    Wie können junge Flüchtlinge und Migranten in eine Ausbildung vermittelt werden? Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach, genauso wie der Weg dorthin. Dass es aber möglich ist, zeigen die Beispiele von Somar Alfayad aus Syrien und Mohammad Rasoul Tahmasebi aus Afghanistan. Sie waren am Montag zu Gast bei der Sitzung des Arbeitskreises Integration im Biberacher Landratsamt und berichteten über ihren beruflichen Einstieg.

    Das Schwerpunktthema der Sitzung lautete „Ausbildung und Beruf für Flüchtlinge“. Zum Thema referierten Peter Kaltenmark von der Agentur für Arbeit, Patrizia Förg und Manuel Manz von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm sowie Melanie Wenger vom Jobcenter des Landkreises Biberach. „Wir müssen bei diesem Thema alle an einem Strang ziehen“, sagte Frank Gmeinder, Amtsleiter des Kreissozialamts. „Eine Ausbildung ist auch ein wichtiger Schlüssel für die Integration.“

    Beim Thema Ausbildung spielen auch die sogenannten Kümmerer eine entscheidende Rolle. Jungen Flüchtlingen rasch eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen, ist die Aufgabe dieser Kümmerer, für die das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft in den Jahren 2016 und 2017 landesweit 37,5 Stellen fördert. Diese Stelle besetzen zum Beispiel Melanie Wenger beim Jobcenter und Manuel Manz bei der IHK.

    Türöffner für eine Ausbildung

    Somar Alfayad macht dank der Unterstützung von Manuel Manz seit September eine Einstiegsqualifizierung bei der Firma Uhlmann in Laupheim. Mit der Einstiegsqualifizierung erhalten Jugendliche die Möglichkeit, Teile eines Ausbildungsberufs, einen Betrieb und das Berufsleben kennenzulernen. Die Einstiegsqualifizierung dient als Türöffner für eine Ausbildung oder Beschäftigung. „Bei Somar mache ich mir keine Sorgen, der Chef ist begeistert von ihm“, so Manz.

    Ziel des 19-Jährigen aus Damaskus ist es, eine Ausbildung zum Mechatroniker abzuschließen. „Ich wollte erst mein Abitur fertigmachen, aber das ist sehr schwer wegen der Sprache“, sagt der junge Syrer. „Dann habe ich mich entschieden, eine Ausbildung zu machen, auch um die Sprache besser zu lernen.“ Es funktioniert und er ist glücklich in der Firma.

    Eine kleine Erfolgsgeschichte hat auch Melanie Wenger zu verzeichnen. Sie hat Mohammad Rasoul Tahmasebi in eine Ausbildung vermittelt. Der 22-Jährige aus Afghanistan hat bei der Firma Beck in Winterreute eine Ausbildung als Maler und Lackierer begonnen. „Ich habe erst zwei Monate ein Praktikum gemacht und jetzt mache ich schon sechs Monate die Ausbildung“, sagt er. Sein Deutsch ist noch nicht so gut, obwohl er schon drei Jahre hier lebt. „Das liegt daran, dass er noch keinen Integrationskurs bekommen hat“, sagt Melanie Wenger. „Er besucht seit drei Jahren Kurse bei der Volkshochschule und bezahlt sie selbst.“

    Manche Arbeitgeber zögern

    Die Firma Beck habe ihm trotz allem eine faire Chance gegeben. „Im Praktikum hat er sich bewiesen, er hat gezeigt, dass er nie krank ist, sehr zuverlässig und dass er die Ausbildung wirklich will“, erzählt Wenger. „So sollte es natürlich im Idealfall laufen.“ Aber natürlich sehe die Realität manchmal anders aus. Die Kümmerer sind auch Ansprechpartner für die Firmen und Unternehmen, denn nicht jeder Arbeitgeber ist so offen und stellt Flüchtlinge ein.

    Die Anforderungen auf dem Ausbildungsmarkt würden steigen, sagt Peter Kaltenmark, Leiter der Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in Biberach. „Die mittlere Reife ist eine Standardvoraussetzung und es müssen ordentliche Deutschkenntnisse vorhanden sein.“ Das Niveau B1 reiche meist nicht aus. „Deshalb gibt es einige Fördermöglichkeiten für junge Flüchtlinge und Migranten“, sagt Kaltenmark. „An oberster Stelle steht allerdings die Orientierung und Beratung.“ Hier kommen dann die Haupt- und Ehrenamtlichen ins Spiel, die sich um die jungen Menschen kümmern, und die Vernetzung der Stellen spielt eine entscheidende Rolle. „Klar, das Thema ist nicht einfach“, sagt auch Kümmerer Manuel Manz. „Aber wir sehen, es funktioniert, man muss nur etwas Geduld haben.“

    Weitere Infos gibt es unter anderem bei Melanie Wenger unter Telefon 07351/527111, per E-Mail an
    melanie.wenger(at)biberach.de
    oder bei Manuel Manz unter Telefon 0731/173311, per E-Mail an
    manz(at)ulm.ihk.de

    Wichtig ist, dass es sich um ausbildungsnahe Fragen handeln sollte.

    Unterschrift Foto: Somar Alfayad ist dank der Hilfe von Manuel Manz bei der Firma Uhlmann untergekommen Bild: Tanja Bosch, ©Schwäbische Zeitung