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    Ehrenamtliche Helfer üben Deutsch mit Flüchtlingen – Begegnungscafé hat sich etabliert

    Biberach, 05.10.2016 (Tanja Bosch, ©Schwäbische Zeitung)

    Biberach sz
    Fast ein Jahr ist es her, da feierte der Livingroom in der Biberacher Waaghausstraße seine Eröffnungsparty. Mittlerweile hat sich das Begegnungscafé für Flüchtlinge und Einheimische etabliert und ist zu einer wichtigen Anlaufstelle für viele Flüchtlinge geworden. Das Konzept ist völlig frei und flexibel. „Genau so wollten wir das von Anfang an“, sagt Marion Martin von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit von Caritas und Diakonie. Sie ist für den Livingroom zuständig und betreut auch die ehrenamtlichen Helfer.

    „Es ist immer viel in Bewegung bei uns. So können wir auch ganz spontan mal eine Idee umsetzten“, sagt Marion Martin. Die meiste Zeit nehmen aber die Deutschtrainings für die ausländischen Mitbürger in Anspruch. „Denn natürlich funktioniert Integration als erstes über die Sprache“; sagt Martin. „Auch wir rutschen nun vom Willkommens- in den Integrationsmodus.“ Dabei spiele auch die Jobsuche eine wichtige Rolle. Deshalb ist einmal pro Woche ein Mitarbeiter vom katholischen Beratungsdienst „In Via“ aus Ulm zu Gast im Livingromm und berät Flüchtlinge, wenn es um die Anerkennung ihrer ausländischen Berufsabschlüsse geht.

    Geöffnet hat das Begegnungscafé mitten in der Biberacher Innenstadt nicht zu festen Zeiten, außer mittwochs und samstags während des Wochenmarkts. „Diese offenen Zeiten, in denen jeder einfach mal vorbeikommen kann, waren zu Beginn sehr wichtig. Da wurde viele Kontakte geknüpft und auch Freundschaften geschlossen“, sagt Martin. „Jetzt kennen uns die meisten aber schon.“ Den Donnerstag halten sich die Verantwortlichen und Ehrenamtlichen frei für kulturelle Angebote oder den Themenabend „Asyl aktuell“, an dem aktuelle Themen besprochen werden wie zum Beispiel Suchtverhalten bei Geflüchteten oder auch das Thema Nähe und Distanz für Ehrenamtliche.

    Fünfmal pro Woche finden die sogenannten Deutschtrainings statt. Es sind keine offiziellen Kurse, deshalb heißen sie Training. Rund zehn Deutschtrainer unterrichten im Livingroom. „Wir testen die Deutschkenntnisse der Einzelnen und stellen dann Gruppen zusammen“, sagt Silvia Sonntag. „Jeder kommt mit einem anderen Niveau, manche sind auch Analphabeten, aber wir haben auch Studierte.“ Teilweise bringen die Ehrenamtlichen ihnen auch schreiben bei, denn abgewiesen wird keiner, der etwas lernen kann und will.

    Edith Rach ist mit 85 Jahren eine der ältesten ehrenamtlichen Deutschtrainer. Ihr macht die Arbeit im Livingroom einfach Spaß: „Die, die wollen, profitieren sehr von uns“, sagt die Biberacherin. „Aber man braucht auch wirklich Geduld, denn manche haben es nicht so mit der Pünktlichkeit.“ Andere wiederum würden das Angebot sehr ernst nehmen und sogar noch zusätzlich zu ihren offiziellen Integrationskursen kommen.

    Paten gesucht

    Ein weiteres Angebot im Livingroom ist das Patenprogramm der ökumenischen Flüchtlingsarbeit. „Wir veranstalten hier das Patencafé, führen auch erste Gespräche zur Patenvermittlung und coachen die Paten“, sagt Margit Bauer. „Es gibt viele Flüchtlinge, die sich einen Paten wünschen. Leider fehlt es uns an Freiwilligen.“ Dabei sei das Pate sein gar nicht so schwierig und aufwendig: „Jeder kann die Zeit aufbringen, die er hat. Das gibt es keine Vorschriften“, sagt Margit Bauer.

    Dass das Begegnungscafé so gut angenommen wird, ist den vielen ehrenamtlichen Helfern zu verdanken: „Ohne die würde es den Livingroom gar nicht geben“, sagt Marion Martin. „Im Landkreis Biberach gibt es ein grandioses Engagement, wir haben wirklich Glück und gute Strukturen geschaffen.“

    Die Deutschtrainings werden am Montag, Mittwoch und Freitag von 9.30 bis 11 Uhr angeboten und dienstags und donnerstags von 15.30 bis 17 Uhr.

    Weitere Infos gibt es auch im Internet unter

    www.asyl-bc.de

    Unterschrift Foto: Sie erfüllen den Livingroom in der Waaghausstraße mit Leben (von links): Marion Martin, Edith Rach, Siglinde Dietze, Dierk Andresen, Silvia Sonntag, Margit Bauer und Erika Beißner. Bild: Tanja Bosch, ©Schwäbische Zeitung