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    Die Zahl der Migranten, die freiwillig in ihr Heimatland zurückkehren, hat sich im Kreis Biberach halbiert.

    Biberach, 09.05.2018 (Birga Woytowicz, ©Schwäbische Zeitung)

    Die Zahl der Migranten, die freiwillig in ihr Heimatland zurückkehren, hat sich im Kreis Biberach halbiert. Die meisten stammen aus den Balkanstaaten. Das zeigen Zahlen der Rückkehrberatung des Amts für Flüchtlinge und Integration in Biberach.

    Waren es 2016 noch 141 Personen, traten im vergangenen Jahr 70 Asylbewerber die Rückreise an: „Das liegt vor allem daran, dass die Flüchtlingsbewegung 2015 und 2016 stark war. Da waren auch die Schlepper besonders aktiv. Danach wurde die Balkanroute geschlossen und viele der Länder gelten nun auch als sichere Herkunftsstaaten“, erklärt Anja Harter, Mitarbeiterin des Amts für Flüchtlinge und Integration. Gemeinsam mit einer Kollegin berät und unterstützt sie Migranten bei der Organisation ihrer Rückkehr. Auch bei der Zahl der beratenen Personen zeichnet sich der Rückwärtstrend ab: Suchten 2016 noch 175 Personen Hilfe bei der Behörde, waren es 2017 124.

    Hälfte kommt aus Balkanstaaten

    Unter den 70 Ausreisenden kam der größte Teil, 23 Menschen, aus Serbien. In den Irak kehrten zwölf Asylbewerber zurück, sieben in den Kosovo und fünf nach Afghanistan. Insgesamt lag der Anteil der Rückkehrer aus den Balkanstaaten bei circa 47 Prozent. Im Vorjahr waren es noch rund 70. Auch der Anteil ausgereister Frauen ist zurückgegangen: „Kamen 2016 noch viele Familien, waren es im vergangenen Jahr häufig Männer, die sich alleine auf den Weg nach Deutschland machten“, sagt Harter.

    Die Hintergründe der Menschen seien vielfältig. Manch einer sei schon ein paar Jahre in Deutschland und als Flüchtling anerkannt, manch anderer würde sogar noch vor einem Asylantrag das Beratungsgespräch suchen und zurückkehren. Besonders 2016 war dies der Fall: „Damals konnten die Anträge durch die Auslandsämter nicht schnell genug bearbeitet werden, sodass die Migranten direkt den Landkreisen zugeteilt wurden“, erklärt Harter. Viele geduldete Flüchtlinge seien nach einem negativen Bescheid oft perspektivlos, da sie weder eine Arbeitserlaubnis haben noch ihre Familien nachholen können. Betroffene würden sich auch nicht auf Anhieb öffnen. „In der Beratung müssen wir behutsam vorgehen. Wir müssen die Gründe und Fähigkeiten der Betroffenen klären. In kaum ein Land ist die Rückkehr einfach.“

    Problematische Rückkehr

    „Die Migranten werden oft als Verräter bezeichnet, wenn sie mit leeren Händen zurückkommen“, erklärt Amtsleiter Jürgen Kraft. Denn die Erwartungen zurückgebliebener Familien und Freunde seien häufig hoch. Außerdem sei die Rückkehr mit enormer Bürokratie verbunden: „Wir helfen zum Beispiel, Reisedokumente aufzutreiben. Da stehen wir in ständigem Kontakt mit Konsulaten und Botschaften. Das ist manchmal gar nicht so leicht“, sagt Anja Harter. Den Aufwand bekämen jedoch auch die Asylbewerber selbst zu spüren, wenn es um finanzielle Hilfen gehe. Über zwei Programme bekommen die Betroffenen meist den Flug, eine Reisebeihilfe und eine Starthilfe ausbezahlt. Wer Mittel aus dem Fördertopf Starthilfe Plus bezieht, bekommt die zweite Hälfte jedoch erst nach sechs Monaten im Heimatland ausbezahlt.

    Um Fuß fassen zu können, bekommen die Rückkehrer zudem Unterstützung bei Qualifizierungsmaßnahmen in Schule und Beruf oder der medizinischen Versorgung. Für dieses Jahr rechnet die Behörde damit, dass weniger Menschen diese Hilfen in Anspruch nehmen und zurückkehren: „Aber das ist schwer zu sagen und hängt natürlich auch von den politischen Entwicklungen ab.“ In diesem Jahr haben sich bislang 16 Menschen freiwillig auf den Weg in ihr Heimatland gemacht.

    Unterschrift Foto: Um im Heimatland Fuß fassen zu können, bekommen die Rückkehrer Unterstützung bei Qualifizierungsmaßnahmen in Schule und Beruf. Bild: , ©dpa